Viele Haiarten und Bestände sind überfischt und vom Aussterben bedroht – auch in Europäischen Gewässern. Der Mensch stellt für den Hai die weit grössere Gefahr dar als der Hai für den Menschen. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Jagd auf Haie deutlich ausgeweitet und ist auf 800 000 Tonnen pro Jahr gestiegen. Davon entfallen 100 000 Tonnen auf die europäische Fischereiflotte. Haifleisch erfreut sich wachsender Beliebtheit. In der Schweiz und in Deutschland kommt das begehrte Fleisch mit Fantasienamen wie zum Beispiel Schillerlocken auf den Ladentisch. Vielen Konsumenten ist gar nicht bewusst, dass es sich bei den Schillerlocken um Fleisch der hoch gefährdeten Dornhaie handelt.
Nun sollen gefährdete Haiarten besser geschützt werden. Die EU-Kommission schlägt vor, den Fang bedrohter Arten stärker einzuschränken. Für die besonders gefährdeten Tiefsee-Haie strebt sie ab 2010 ein Fischereiverbot an. Das bereits gültige Verbot, Haien die begehrten Flossen abzuschneiden und sie dann ins Meer zurückzuwerfen, soll künftig strenger kontrolliert werden. Zudem sollen die Fischer verstärkt darauf achten, ob etwa beim Thunfisch-Fang versehentlich Haie mit ins Netz gehen. Bislang werden solche unerwünschten Beifänge, auch wenn die Fische tot sind, einfach wieder über Bord geworfen. Die Kommission will nun die Fischer dazu zwingen, auch versehentlich gefangene Haie an Land zu bringen. Das Kalkül: Wenn die Fischer für sie wertlose Ware transportieren müssen und dadurch Raum für ihre eigentliche Beute verlieren, werden sie sich stärker um den Einsatz selektiver Netze bemühen. Dieses Beifangverbot ist laut Aktionsplan allerdings erst „mittel- bis langfristig“ geplant.
Deutschland will an der Vertragsstaatenkonferenz im 2010 Anträge für die Aufnahme von Heringshai und Dornhai in Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES vorlegen. Dieses Abkommen bietet Schutz für bedrohte Tier- und Pflanzenarten, die international gehandelt werden. Der Dornhai (Squalus acanthias) ist ein kleiner Küstenhai, bei Konsumenten sehr beliebt, der fast bis zum Aussterben überfischt wurde. Der ozeanische Heringshai (Lamna nasus), ein Verwandter des Weissen Hais, wird wegen seines Fleisches und seiner Flossen weltweit gejagt. Beide Bestände sind stark dezimiert. Der Nordost-atlantische Dornhaibestand zum Beispiel ist um 95 Prozent zurückgegangen und der Nordwest-atlantische Heringshai um mehr als achtzig Prozent.
In CITES Anhang II sind Arten aufgeführt, deren Handel streng kontrolliert werden muss, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. Dornhai und Heringshai werden in erheblichem Umfang international gehandelt und erfüllen die Kriterien für CITES Anhang II.
Heringshai und Dornhai wurden 2007 schon einmal zur Aufnahme bei CITES vorgelegt, aber die Vorschläge konnten damals keine ausreichende Mehrheit erzielen. OceanCare wird zusammen mit anderen Arten- und Umweltschutzorganisationen darauf hin arbeiten, dass der Handelt mit dieses Haiarten künftig durch CITES eingeschränkt wird.
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