Pazifik: Müllstrudel 4x so gross wie Deutschland

Die Abfallberge in den Weltmeeren wachsen und wachsen. Eine Forschungsexpedition untersucht nun einen gigantischen Wirbel aus Plastikmüll.Im Pazifischen Ozean hat sich so ein Wirbel aus Plastikmüll gebildet, der viermal so gross ist wie Deutschland. Die von der Uno unterstützte Expedition, die vom Umweltschützer Doug Woodring aus Hongkong geleitet wird, soll die Forscher in den nächsten Monaten von San Francisco nach Hawaii und zurück führen. Dabei durchquert das Schiff ein entlegenes Meeresgebiet, in dem sich der Wirbel aus Plastikabfällen unaufhörlich im Uhrzeigersinn dreht. «Es wird Jahre dauern, das Problem zu erfassen und zu lösen», sagt der kalifornische Meereskundler Jim Dufour, der die Reise beratend begleitet. Für die Zukunft der Ozeane sei es aber lebensnotwendig. 13’000 Stückchen Plastikmüll finden sich nach Angaben des Umweltprogramms der Uno inzwischen in jedem Quadratkilometer Meer.

Zu Kleinstpartikeln zerrieben
Am schlimmsten aber ist das Problem in fünf Ozeanwirbeln, darunter jenem im Nordpazifik, den Spezialisten «Östlicher Müll- Strudel» nennen. Plastikflaschen, -behälter und -säcke wurden unter dem Einfluss von Sonne, Wind, Wellen und Gezeiten in winzige Partikel zerrieben und treiben im Meer.

Weil die Abfälle von den Naturgewalten so fein zermahlen wurden, kann das meiste von Satellitenbildern gar nicht erfasst werden. Seetiere und Vögel nehmen die Plastiksuppe, die in vielen Fällen voll toxischer Chemikalien ist, jedoch auf. «Das bedeutet, die Fische fressen mit jedem Stückchen Plastik eine kleine Giftbombe», sagt Expeditionsleiter Woodring. Viele der Giftstoffe könnten so in die menschliche Nahrungskette gelangen. Nicht wenige Tiere verenden an den unverdaulichen Abfällen selbst.

Spezielle Netze nötig

Das Forschungsschiff «Kaisei» – auf japanisch Meeresplanet – wird auf der Expedition von einem Fischtrawler begleitet. Mit dessen Hilfe sollen Fangtechniken für die Plastikpartikel erprobt werden, welche die Meereslebewesen schonen. «Es müssen Netze sein, die engmaschig genug sind, um eine Menge Müll herauszufischen, aber grossmaschig genug, um Plankton durchzulassen», sagt Woodring. Ausserdem soll erforscht werden, ob der Plastik-Müll recycelt oder sogar als Brennstoff aufbereitet werden kann. Da sich der Plastik-Wirbel in internationalen Gewässern dreht, fühle sich keine Regierung verantwortlich, sagt Woodring: «Es gibt keine Gesetze, keine Regierung ist richtig zuständig, daher gab es bisher keinen Druck, das Meer zu säubern. Die Leute wissen nicht, was sich da draussen ansammelt.»

Meer ist keine Müllhalde
Zwar wurden bereits zuvor Fahrten zu dem Wirbel unternommen. Doch laut Woodring ist die jetzige Mission das erste Unternehmen, «das Schadstoffe aus Plastikmüll an der Meeresoberfläche erforscht, ihren Einfluss auf Organismen in mittlerer Tiefe, Ablagerungen am Meeresboden und die Auswirkungen auf Organismen durch Auswaschung von Chemikalien».Der Grund des Übels sei aber an Land zu suchen, sagt Dufour. Der Mensch missbraucht das Meer nämlich als Müllhalde. «Wir müssen weltweit dafür sorgen, dass mit Müll verantwortungsvoll umgegangen wird.»

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