In Neuseeland sind dieses Wochenende erneut 168 Grindwale gestrandet. Hunderten Einheimischen, Touristen und Tierschützern gelang es bis Montagmorgen 43 Tiere wieder aufs Meer hinaus zu bewegen. Die freiwilligen Helfer bedeckten die gestrandeten Tiere mit Tüchern um sie feucht zu halten. Den anderen 125 Grindwalen konnte jedoch nicht geholfen werden.
An den Ständen von Neuseeland strande jedes Jahr viele Wale wenn sie von den Nahrungsgründen in der Antarktis zu ihren Paarungsgründen migrieren. Die Gründe dafür konnten die Wissenschaftler bisher noch nicht schlüssig herausfinden.
Immer klarer wird: Es sind vom Menschen gemachte Faktoren, die eine enorme Rolle spielen. Sie führen dazu, dass einzelne Wale von ihren Zugrouten abkommen und sich verirren. Schiffe, Ölbohrinseln oder auch militärische Sonare stören massiv das empfindliche Gehör der sanften Riesen. So hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten der Hintergrundschall im Meer jeweils verdoppelt. Der Lärm erschreckt die Tiere. Sie geraten in Panik und tauchen überstürzt viel zu schnell auf. Dadurch entstehen Gasblasen, die zu Verletzungen in lebenswichtigen Organen führen – vergleichbar mit den Folgen eines schweren Tauch-unfalls beim Menschen.
Ähnliche Folgen können auch Unterwasseraktivitäten zur Suche nach Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten haben. Die Schallwellen, die von Luftdruck-Kanonen zur Analyse der Bodenschichten eingesetzt werden, stören ebenfalls den Orientierungssinn der Meeressäuger. Solch intensive Lärmquellen sind für Wale noch über mehrere tausend Kilometer weit zu hören – wir Menschen spüren von alldem nichts. Für die Tiere bedeutet das vor allem eins: Es wird immer schwerer, die Störgeräusche von natürlichen Klängen aus ihrer Umgebung zu unterscheiden und damit die Orientierung zu behalten.
Wie empfindlich der Orientierungssinn der Wale auf Störungen rea-giert, untersuchen Wissenschaftler der Universität Kiel. Sie zeigen, dass die Strandung von Pottwalen in der Nordsee seit jeher schon durch Schwankungen im Magnetfeld der Erde ausgelöst werden konnte. Und Forscher in Australien betrachten nährreiche Meeres-strömungen als mögliche Ursache für Fehlleitungen. Doch wie viel drastischer sind dagegen die von Menschen gemachten Störungen!
Welche Faktoren letztlich zusammen dazu führen, dass Wale ihre Orientierung verlieren und kollektiv dem sicheren Tod im Flachwasser entgegenschwimmen, das muss die Wissenschaft noch klären. Bis die letzte Lücke in der Beweiskette geschlossen ist, werden wohl noch viele Wale kläglich verenden. Der Gesang der Meeressäuger könnte verstummen, bevor man seine Bedeutung richtig verstanden hat.
Sehen Sie dazu den Zweiteiler “Das Geheimnis der Wale” im ZDF am 3. und 4. Januar 2010, 20:15 Uhr
Schlagworte: Grindwalstrandung in Neuseeland, Massenstrandung von Walen, Walstrandung
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