OceanCare Präsenz in Taiji, Japan

Die Präsenz von Beobachtern und Medien in Taiji bewirkt, dass weniger Delphin-Treibjagden stattfinden und weniger Delphine getötet werden. OceanCare hat deshalb bereits zum vierten Mal einen Vertreter nach Taiji entsand. Hans Peter Roth, reiste am 15. Februar ab und wird bis am 19. März in Taiji und anderen Orten an Japans Küste sein.Weiter zum Tagebuch von Hans Peter Roth

19.2.2010: Hallo, an alle die dies lesen. Soeben sind wir einmal mehr in Taiji angekommen. Uns ist bewusst, dass dieser Blog von Leuten gelesen werden könnte, welche diese Informationen gerne an gewisse Stellen in Japan oder Taiji weiterleiten. Dies soll mir recht sein. Ich bin nach Taiji gereist in einer transparenten Mission, unter anderem auch, um den Kontakt zu Einheimischen, Fischern, Delphinjägern, der Fischereikooperative, dem Gemeindepräsident oder anderen Mitgliedern der Gemeinde von Taiji zu suchen.

Es geht um die Zukunft dieses Dorfes und um das Quecksilber-verseuchte Delphinfleisch, welches für die Gesundheit der Bevölkerung eine ernsthafte Bedrohung darstellt. Es geht um einen immensen japanischen Lebensmittelsicherheits-Skandal, welcher der japanischen Bevölkerung vorenthalten wird. Diese hat aber ein Recht, davon zu erfahren, zum Wohle ihrer eigenen Gesundheit.

Ich bin überzeugt, dass die Jagd auf Schweinswale, Delphine und Grindwale in Japan dereinst enden wird. Dies ist einzig eine Zeitfrage. Je früher desto besser für Mensch und Tier.

Ich stehe dazu, dass ich diese faszinierenden, intelligenten, wunderschönen Tiere lieber lebendig in freier Wildbahn sehe, statt mit ansehen zu müssen, wie sie unter namenlos schrecklichen Umständen absolut sinnlos ihr Leben aushauchen.

Genau hierin sehe ich eine vielversprechende Zukunftsperspektive für Taiji, dieses schön gelegene verschlafen wirkende Fischerdorf an der Südküste Japans: Wal- und Delphinbeobachtung! Und ganz allgemein mehr Tourismus.

Der Küstenort Futo, rund 100 Kilometer südwestlich von Tokio, hat bewiesen, dass der Wandel von der Delphinjagd hin zur Wal- und Delphinbeobachtung vorteilhaft für alle ist. Wenn dieser Ort endlich den Schritt weg von der Delphintötung hin zur Delphinbeobachtung macht, gehöre ich zu den ersten, die Werbung für Taiji machen,

Genau genommen unterstütze ich schon jetzt die Wirtschaft von Taiji mit meiner Anwesenheit. Ich bin da, mit Übersetzerin und allem was es braucht und suche den Dialog.

Ich freue mich, schon bald hier her zurückzukehren, um mich für den Tourismus einzusetzen, statt die Delphintreibjagd beobachten und dokumentieren zu müssen. Sicher ist eins: Dieses Thema wird nicht von alleine verschwinden. Und wir werden es auch nicht. Hans Peter Roth

20. 2. 2010: Perfekte Jagdbedingungen! Sonne, kaum Wind, kaum Wellen. Aber keine Jagd. Zuerst haben meine japanische Übersetzerin und ich einen kurzen Gang zum Strand gemacht, der nur einen Steinwurf von unserer Unterkunft entfernt liegt. Nichts Beunruhigendes zu sehen. Dann hinauf zum Tsunami Park, dem Hügel mit dem perfekten Aus- und Einblick in die Bucht, wenn man sich durch Netz- oder frisch errichtete Stacheldraht-Hindernisse gearbeitet hat und in den Büschen versteckt.

Die schwimmenden Warnschilder in der Bucht, man solle sich nicht auf das Gebiet begeben oder fotografieren, sind wieder verschwunden. Auch vom Tsunami Park war nichts zu erkennen, was auf eine Treibjagd hinwies.

Im Anschluss gingen wir dem Strand entlang bis hinüber zum Hafen von Taiji, vielleicht einen Kilometer Fussweg entfernt. Am Ende dieses Fusswegs kann man – wenn nicht gerade der höchste Flutstand herrscht, über den Strand eine Klippe umgehen und gelangt direkt zur Hafenmole. Dahinter verbergen sich 13 Delphingehege, mitten im schmutzigen Hafenwasser. Darin gefangen rund 40 Delphine verschiedener Arten in tödliche Langeweile. Wären diese Delphingehege im Hafen nicht da, würde man an einem solch friedlich anmutenden Tag nicht vermuten, welch schreckliches Geheimnis dieser befremdliche Ort verbirgt.
Hans Peter Roth

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