Japan betreibt den grössten nicht nachhaltigen und nicht reglementierten kommerziellen Delphin- und Kleinwalfang der Welt, wobei jährlich allein 15’000000 Dall-Hafenschweinswale und Tausende Tiere anderer Arten getötet werden. Diese Jagden sind nicht von der IWC geregelt und auch die Delphintreibjagden, die ebenfalls jährlich stattfinden, liefern zusätzliches Fleisch für lokale Supermärkte.
Gegen dieses Massaker an Kleinwalen protestierten nicht nur OceanCare und andere Organisationen. Japan wurde auch mehrfach von der Internationalen Walfangkommission (IWC) aufgefordert, die Jagd einzustellen. Bisher leider vergeblich.
Japan setzt den Fang von Delphinen und Kleinwalen hemmungslos fort. Das Fleisch gelangt als „billigen“ Walfleischersatz in die Supermärkte, obwohl es stark mit Quecksilber und anderen Giftstoffen belastet ist, dass es die in Japan zulässigen Grenzwerte um das bis zu 5000fache übersteigt. Als Reaktion auf schockierende Studienergebnisse laufen auch japanische Verbraucherschutzorganisationen Sturm gegen den Delphin-Sondermüll in den Kühlregalen.
Die Auswirkungen des unregulierten Küstenwalfangs der Japaner auf in Küstennähe lebende Wal- und Delphinpopulationen sind besorgniserregend. Diese Tiere sind sehr empfindlich auf Chemikalien und Lärmverschmutzung im Meer reagieren. Kollisionen der Tiere mit Schiffen und das Verfangen in Fischernetzen stellen eine zusätzliche ernstzunehmende Bedrohung für sie dar. Neben den Umweltgefahren und der schwindenden Nahrungsgrundlage übt der Küstenwalfang zusätzlichen Druck auf die Populationen aus.
Einer Studie zufolge sind die Quecksilberwerte der Einwohner Taijis (Wakayama Präfektur) um das Zehnfache höher als irgendwo sonst in Japan. Möglicherweise, weil sie dort gewohnheitsmässig Fleisch von stark kontaminierten Kleinwalen essen, die in Küstennähe des Ortes gejagt werden. Während der Studie wurden zwischen Dezember 2007 und Juli 2008 Haarproben von 30 Männern und 20 Frauen aus ca. 3.400 Einwohnern Taijis entnommen.
Die Untersuchung zeigte, dass die Haarproben einen durchschnittlichen Quecksilberwert zwischen 21.6 ppm (parts per million/ Teile pro Million) und 11.9 ppm aufwiesen, während „normale“ japanische Männer und Frauen mit einem Wert zwischen 2.55 ppm und 1.43 ppm belastet seien, so Tetsuya Endo, Professor der gesundheitswissenschaftlichen Universität von Hokkaido. Quecksilber in der höchsten Konzentration (67.2 ppm) fand man laut Endo bei einem Mann in den Fünfzigern, ganze drei Personen überschritten den Wert von 50 ppm, ohne unter den von der Weltgesundheitsorganisation aufgelisteten gesundheitlichen Schäden zu leiden.
Tetsuya Endo sieht dennoch allen Grund zur Sorge: die Kontaminations-Level scheinen kritisch genug zu sein, um nach den in Übersee gültigen Standards Gesundheitsprobleme zu verursachen.
Nach Endos Angaben, haben die Wissenschaftler zudem hohe Konzentrationen von Quecksilber in Produkten aus lokal vorkommenden Meeressäugern wie Pilotwalen, Delphinen aber auch Fischen wie Tunfisch und Bonito gefunden, die in der Gemeinde vertrieben werden. Besonders die 22 Proben von Pilotwalfleisch förderten besorgniserregende Zahlen zu Tage: Mit einem durchschnittlichen Methyl-Quecksilberwert von bis zu 5.9 ppm überschritten die Meeressäuger die vorläufigen Zahlen nationaler Verordnungen von 0.3 ppm.
Unter den 50 Einwohnern Taijis, die im Rahmen der Studie getestet worden sind, betrug der durchschnittliche, totale Quecksilberwert bei denen, die Pilotwalfleisch einmal im Monat oder öfter zu sich nahmen, bei 24.6 ppm, während er bei denen, die das Fleisch der Tiere nur einmal alle paar Monate aßen, nur bei 15.5 ppm lag.
Wissenschaftler wissen schon seit Jahrzehnten, dass besonders die in Küstengewässern und stark verschmutzten Meeren lebenden Wal- und Delphinarten eine hochgradige Anreicherung an Schadstoffen aufweisen. Man findet hier beispielsweise Schwermetalle wie Quecksilber und langlebige organische Verbindungen wie DDT oder PCB. In japanischen Supermärkten wurde 2007 stichprobenartig Walfleisch gekauft; das Fleisch stammte aus ähnlichen Quellen wie die der japanischen Schulspeisungsprogramme. Unabhängige Tests ergaben extrem hohe Quecksilber- und Methylquecksilberwerte in den Proben. Eine der Delphinfleischproben wies einen Wert auf, der 16mal so hoch war, wie der von der japanischen Regierung empfohlene Grenzwert für die Aufnahme von Quecksilber, und 12mal höher als der empfohlene Grenzwert für Methylquecksilber.
Ein führender Wissenschaftler der japanischen Kumamoti Medical Science University erklärte, dass einige der untersuchten Delphinproben eine so hohe Schadstoffbelastung aufwiesen, dass bei einem weiteren Konsum die Wahrscheinlichkeit, Gehirnschäden zu erleiden, sehr hoch sei. Bisher wurde Endo zufolge keine epidemiologische Studie in Taiji durchgeführt, obwohl die Gesundheitsrisiken für die Einheimischen beim Konsum von Walprodukten für möglich gehalten werden.
Zurzeit ist eine Expertin unserer englischen Partner Organisation Environmental Investigation Agency in Japan, um Untersuchungen von neuen Proben von Dalls Hafenschweinswal-Fleisch zu veranlassen und mit Verantwortlichen des japanischen Gesundheitsministeriums und Konsumentenschutzorganisationen zu verhandeln. Zu dieser von OceanCare mitfinanzierten Initiative wird auf die IWC hin ein Bericht veröffentlicht. Dieser wird auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Welternährungsorgnaisation (FAO) zur Verfügung gestellt für deren Experten Team zum Thema Nutzen und Risiken von Nahrung aus dem Meer.
Sehen Sie dazu den CCTV Beitrag vom 10.3.2010 und den Beitrag auf Al Jazira vom 12.3.2010
Schlagworte: Dalls hafenschweinswale, Environmental Investigation Agency, Walleischvergiftung, Welternährungsorganisation (FAO), Weltgesundheitsorgnaisation (WHO)