Fischereipolitik in Europa: 70 Verbände fordern radikale Kursänderung

Kampagne OCEAN2012 fordert radikale Kursänderung in der FischereipolitikAnlässlich des heutigen Weltozeantages weist OCEAN2012 auf einen Zusammenschluss von 70 europäischen Verbänden – darunter auch OceanCare – auf den dramatischen Niedergang der Fischbestände in EU-Gewässern hin.

Nach Jahren schlechter Nachrichten versucht selbst die Politik kaum noch, die Lage schön zu reden. Heute steht fest: Über 80 Prozent der kommerziell genutzten Fischarten in der EU sind stark überfischt und stehen vor dem biologischen Aus. OCEAN2012 fordert deshalb eine radikale Reform der EU-Fischereipolitik hin zu einem vorsorgenden und ökosystemaren Ansatz. Zwischen dem 5. und 13. Juni veranstaltet das Bündnis erstmalig eine „Europäische Fisch-Woche“, mit dem Ziel, die Öffentlichkeit über das Ausmass der Überfischung der Meere zu informieren und die ökologische Neuausrichtung der EU-Fischereipolitik einzufordern. Dazu finden in ganz Europa Veranstaltungen und Aktionen statt. Die EU-Fischerei-Kommissarin Maria Damanaki wird im Rahmen einer Petition aufgefordert, „ökologische Nachhaltigkeit als übergreifendes Prinzip der zukünftigen Gemeinsamen Fischereipolitik festzuschreiben, um so das Ziel einer langfristigen wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit zu erreichen.“

Die Zeit drängt für eine grundsätzliche Kurskorrektur. Wissenschaftlichen Studien zufolge würde eine Fortführung der gegenwärtigen Fischereipraxis dazu führen, dass die kommerzielle Fischerei bereits 2050 weltweit kollabiert. Die EU diskutiert aktuell eine umfassende Revision ihrer gemeinsamen Fischereipolitik. Auftakt hierzu war 2009 das so genannte „Grünbuch“ der EU-Kommission, das die bisherige Fischereipolitik der EU als nicht zukunftsfähig qualifiziert. Bis 2012 will man sich in Brüssel auf eine Neuausrichtung einigen. Schon jetzt stossen Forderungen nach geringeren Fangmengen, einer Minderung der Beifänge und Rückwürfe sowie nach einer insgesamt schonenderen Fischerei auf erbitterten Widerstand der Fischereilobby. Doch auch die Zivilbevölkerung erhebt ihre Stimme. In nur einem Jahr hat sich OCEAN2012 zu einer breiten europäischen Allianz entwickelt und steht für das Bedürfnis der Menschen in ganz Europa, ihre Entscheidungsträger von der Dringlichkeit zu überzeugen, die Überfischung zu beenden.

OCEAN2012 ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die im Rahmen der Reform der europäischen Fischereipolitik Überfischung und destruktive Fischfangmethoden beenden und eine angemessene und gerechte Nutzung der Fischbestände durchsetzen wollen. OCEAN2012 setzt sich für eine Gemeinsame Fischerei-Politik ein, die:

  • ökologische Nachhaltigkeit als das übergreifende Prinzip festschreibt, ohne die wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit unerreichbar bleiben;
  • sicherstellt, dass Entscheidungen auf der jeweils geeigneten Ebene und transparent getroffen werden, um dadurch eine effiziente Beteiligung der Betroffenen sicherzustellen;
  • nachhaltige Fangkapazitäten auf EU- und regionaler Ebene sicherstellt;
  • Zugang zu Fangressourcen aufgrund ökologischer und sozialer Kriterien gewährt;
  • sicherstellt, dass öffentliche Mittel nur so eingesetzt werden, dass sie dem Allgemeinwohl dienen und mögliche negative soziale Auswirkungen der Erneuerung hin zu einer nachhaltigen Fischerei begrenzt.

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