Glaubwürdigkeit der IWC steht auf dem Spiel

Die diesjährige, 62. Tagung der IWC entwickelt sich mehr und mehr zu der wichtigsten seit jener von 1982, als das Moratorium zum kommerziellen Walfang, das 1986 in Kraft trat, beschlossen wurde. Die Kommission steht unter enormem Druck und muss sich mit aller Kraft dafür einsetzen, ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Der Korruptionsskandal auf höchster Ebene und ein stärker werdendes Demokratiedefizit führen bei einigen Beobachtern zu grosser Skepsis.

„Demokratie“ bedeutet im heutigen Sinn nicht mehr eine absolute „Volksherrschaft“, was der wörtlichen Übersetzung aus der griechischen Sprache entsprechen würde. Vielmehr beinhaltet Demokratie heute meines Erachtens Verhaltensweisen von Führungsgremien, die ein höchstmögliches Mass an Transparenz gegenüber der Zivilgesellschaft garantieren und eine Partizipation derselben bei wichtigen Entscheidungsprozessen erlauben sollen.

Wie bereits im gestrigen Blog erwähnt, ist die Frustration bei einigen Beobachtern der Konferenz gross. Sie sind extra aus allen Teilen der Welt hier nach Agadir gereist, um bereits nach einem halben Tag der Vollversammlung zu erfahren, dass sie nun für zwei Tage ausgeschlossen werden. Dass diese Sitzungen nun hinter verschlossenen Türen abgehalten werden müssen, führt gemäss Logik zur Annahme, dass da wohl gewisse geheime Informationen ausgetauscht werden; Sei es nun bezüglich Bestechungsskandal oder Kompromissvorschlag über die Zukunft der IWC. Der Ausgeschlossene tappt im Dunkeln…

Transparenz ist also zur Zeit keine Vorhanden. Ich bin gespannt, was in dem Bericht, der uns für morgen früh versprochen wurde, zu lesen sein wird.

Auch bezüglich Partizipation wird den NGOs das Leben nicht eben leichter gemacht. Wenn normalerweise die Möglichkeit besteht, wenigstens während der Pausen auf die Kommissäre einzuwirken, ist es nun durch die Politik der verschlossenen Tür um ein vielfaches schwieriger, mit den Entscheidungsträgern in Kontakt zu treten.

Auch die Zeit für alle anderen ebenfalls wichtigen Themen im Rahmen der IWC – wie beispielsweise den Gesundheitsaspekt im Zusammenhang mit der Kontamination der Wale mit Schadstoffen, für das sich OceanCare seit 1997, einsetzt – wird nun extrem knapp. Die gesamte Agenda neben diesem, zugegebenermassen wichtigen Thema muss voraussichtlich in ungefähr zwei Tagen abgearbeitet werden. Auch dies Erschwert die Einflussnahme enorm, da diese Themen in solch kurzer Zeit teilweise nicht mehr seriös diskutiert werden können.

Trotz dieser noch stärker als üblich eingeschränkten Möglichkeit zur Partizipation bleiben wir natürlich am Ball. Den „freien“ Tag nutzen wir nicht etwa um uns neben die Touristen an den Strand oder Pool zu legen, sondern um das weitere Vorgehen je nach Verlauf der Tagung zu besprechen und die Einflussnahme so effizient wie irgendwie möglich zu koordinieren.

Euer Andreas Welti

Schlagworte: ,

Kommentieren