Das Moratorium gegen den kommerziellen Walfang bleibt bestehen!

Was sich bereits gestern Abend abgezeichnet hat, wurde heute Morgen in der Sitzung der IWC bestätigt. Der Kompromissvorschlag, der zur Aufhebung des Walfangverbots geführt hätte, ist gescheitert. Die Kommissäre der IWC-Mitgliedsstaaten konnten sich auch bei den zweitägigen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen nicht auf einen Kompromiss einigen. Somit bleibt das Moratorium gegen den kommerziellen Walfang für mindestens ein weiteres Jahr bestehen, was aus Sicht der Walschützer natürlich eine tolle Neuigkeit ist!

In insgesamt 30 Sitzungen haben 10 Gruppen von Mitgliedsstaaten der IWC  über den Kompromissvorschlag, der am Montag vorgelegt wurde, verhandelt. Sie konnten sich aber nicht einigen. Gemäss Vorsitz waren die Gruppen nahe daran einen Kompromiss zu finden, kamen aber zum Schluss, dass weiter daran gearbeitet werden muss, bevor eine Einigung erzielt werden kann. Man einigte sich darauf eine “cooling period” einzuschalten und zu einem späteren Zeitpunkt die Verhandlungen zu dem Kompromissvorschlag wieder aufzunehmen. Zudem wurde beschlossen, dass der entsprechende Agendapunkt zur Zukunft der IWC – der einzige der bisher verhandelt wurde – bis zum Ende dieser Woche offen bleiben soll, damit Vorschläge zur weiteren Vorgehensweise bis zur nächstjährigen Tagung eingereicht werden können.  Die Arbeit für jene, die sich für den Schutz der Wale einsetzen wird also auch im nächsten Jahr wieder weitergehen.

Die Hauptgründe für das Scheitern des Vorschlags waren gemäss dem Vorsitz der IWC die folgenden Diskussionspunkte: das Moratorium, die Fanquoten, der Walfang mit spezieller Erlaubnis (“Wissenschaftlicher Walfang”), die Schutzgebiete und der Handel von Produkten aus Waltieren. Der Vorsitz betonte, dass es ein gemeinsames Ziel der IWC-Staaten sein  müsse, weiter an diesem Vorschlag zu arbeiten. Und die Sitzungen hätten insofern viel zu einer künftigen Lösung beigetragen, dass sie den Dialog zwischen den Staaten gefördert, Missverständnisse ausgeräumt und geholfen hätten, gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Positionen zu erlangen.

Heute Morgen haben ungefähr die Hälfte aller Staaten ihr Statement zu den Verhandlungen und  zum Scheitern des Vorschlags abgegeben. Die meisten Kommissäre stimmten den Aussagen vom Vorsitz weitgehend zu und betonten die konstruktive Atmsphäre. Selbst  Island, das einerseits fehlenden politischen Willen als Grund für das Scheitern der Verhandlungen angab, sprach andererseits wiederum davon, dass sich die Beziehungen zwischen den Parteien verbessert hätten. Und Neuseeland unterstrich ihre Ansicht, wonach Japan eine grosse Bereitschaft gezeigt habe, Kompromisse einzugehen. Von einer Mehrheit der Mitgliedsstaaten wurden also sehr freundschaftliche Signale ausgesandt.

Einige Staaten aber waren auch höchst unzufrieden. Dänemark zum Beispiel bemängelte, dass sich nichts verändert habe und die Zeit der IWC am ablaufen sei. Zudem haben sie sich in aller Deutlichkeit von der Position der EU distanziert und ausgesagt, Spanien habe behauptet im Namen aller 25 Staaten der EU zu sprechen, was aber nicht wahr sei; die EU könne hier nur für 24 Staaten sprechen, da Dänemark überhaupt nicht der selben Meinung sei.

Für den Schutz der Wale ist zu hoffen, dass die weiteren Verhandlungen nicht auf diesem Kompromissvorschlag mit einer Aufhebung des Moratoriums beruhen und versucht wird, diesen weiter auszuarbeiten. Diese Meinung vertritt auch die Buenos Aires Group mit Argentinien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Ecuador, Mexiko, Panama, Peru und Uruguay. Diese Staaten treten geschlossen für den Erhalt des Moratoriums ein. Es wäre wohl am sinnvollsten, noch einmal bei null anzufangen und – wie es Australien vorgeschlagen hat – sich auf die positiven Aspekte und die Gemeinsamkeiten, wie beispielsweise über die Weiterführung der wissenschaftlichen Arbeiten  zu stützen, anstatt weiterhin die Gegensätze zwischen den verschiedenen Parteien zu betonen.

Weitere Informationen über das Scheitern des Kompromisses finden Sie auch auf der Homepage von OceanCare.

Während dieser wichtigen Morgensession habe ich zusammen mit einigen Vertretern anderer Organisationen bereits am einem der nächsten Punkte in der Agenda der Tagung gearbeitet. Wir haben versucht Kommissäre zu finden, die bereit wären, sich heute Nachmittag – sofern der Terminplan noch eingehalten werden kann, ansonsten Morgen – zum Thema der Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Konsum von Walfleisch, zu äussern. Wir sind optimistisch, dass wir einige gute Statements hören werden. Aber es wird spannend sein zu sehen, ob diese Tatsächlich zustande kommen.

Nachtrag: Der Punkt in der Agenda für den wir uns eingesetzt haben (“Environmental and helath issues”) wurde am Nachmittag wie bereis vorausgeahnt nicht mehr besprochen. Er wird dann morgen auf dem Programm stehen. Da die Diskussion über den Kompromissvorschlag sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat, ist das gesamte Programm der diesjährigen Konferenz extrem eng. Es ist zu befürchten, dass gewisse Themen nur ganz kurz angesprochen und als erledigt betrachtet werden. Wir hoffen natürlich sehr, dass dies nicht genau bei den Diskussionen zu den Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Konsum von Walfleisch oder jener um die Zuständigkeit der IWC für die kleinen Walarten, (z. B. Delphine) der Fall sein wird.

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2 Kommentare zu “Das Moratorium gegen den kommerziellen Walfang bleibt bestehen!”

  1. slueber sagt:

    Was für eine Erleichterung, dass das Walfangmoratorium bestehen bleibt; danke für die gute Nachricht und für den Einsatz! Sigrid

  2. Eva sagt:

    Gibt es eine Spendenhotline für sowas?!

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