Die Schweiz meldet sich zu Wort

Der Delegierte der Schweizer Regierung hat heute zwei wichtige Statements in die Vollversammlung der Konferenz eingebracht. In einer ersten Wortmeldung hat er auf die Gefahren vom Walfleischkonsum für die Gesundheit der Menschen hingewiesen und später auf die Problematik der Kleinwale, die bis anhin nicht unter die Verantwortung der IWC fallen. Diesbezüglich hat die Schweiz bereits einen Bericht, der von Belgien verfasst wurde, unterstützt. Der Bericht, wie auch das Statement weisen ganz deutlich darauf hin, dass die Kleinwale (z. B. Delphine) unbedingt in den Verantwortungsbereich der IWC fallen sollten.

Wie angekündigt stand heute Morgen der Punkt „Gesundheitsrisiken für Menschen“ auf der Agenda der IWC. OceanCare setzt sich seit 1997 dafür ein, dass die gesundheitlichen Risiken von Walfleischkonsum in die Diskussion der IWC einfliesst. Zusammen mit anderen Organisationen haben wir uns auch dieses Jahr dafür eingesetzt, dass wichtige Punkte diesbezüglich in der Vollversammlung angesprochen werden. Als das Thema dann an der Reihe war, geschah lange Zeit nichts und ich befürchtete bereits, dass der Vorsitz das Thema ohne jegliche Wortmeldungen schliesst und zum nächsten Punkt auf der Agenda übergeht. In diesem Moment meldete sich der Vertreter der Schweizer Regierung zu Wort.

In einer zwar gemässigten Rede sprach er doch deutlich die Gefahren an, die von den diversen Giftstoffen, mit welchen die Wale kontaminiert sind, ausgehen. Damit hat er die wichtige Rolle des „Eisbrechers“ übernommen und die Diskussion für die übrigen Delegierten der IWC-Mitgliedsstaaten eröffnet. Darauf folgten Statements von 11 weiteren Staaten, die in unserem Sinn waren. Besonders hervorzuheben sind die folgenden Wortmeldungen, die anschliessend auch von anderen Staaten unterstützt wurden: Monaco hat gefordert, dass zum Einen die Zusammenarbeit mit der WHO verstärkt wird und zum Anderen die IWC die WHO auffordern müsse, die Bemühungen diesbezüglich zu verstärken. Mexico hat die Walfangnationen aufgefordert, der Bevölkerung mitzuteilen, wie stark das Walfleisch vergiftet sei. Österreich hat beim Sekretariat der IWC – wie schon einige Male – nachgefragt, was unternommen wurde, um die Zusammenarbeit mit der WHO zu verstärken; worauf das Sekretariat sich entschuldigte und bekennen musste, dass nichts unternommen wurde. Einzig Japan, Norwegen und Finnland vertraten eine gegensätzliche Meinung und verwiesen darauf, dass auch andere grosse Fische kontaminiert seien. Wobei Finnland auch dem Statement von Monaco zugestimmt hat. Der Lacher des Tages gehörte aber Japan, die darauf verwiesen, dass sie länger leben würden als alle anderen, was mit dem Konsum von Walfleisch zusammenhänge.

Noch erfreulicher war die Wortmeldung der Schweiz zu den Kleinwalen. Sie fordert explizit, dass auch die Jagd auf Kleinwale unter die Kontrolle der IWC fallen müsse. Damit könnte diese grausame Praxis endlich reguliert werden. Dieses Statement wurde dann auch von diversen Staaten, wie beispielsweise Luxemburg, Belgien, Irland und den Vereinigten Staaten unterstützt.

An dieser Stelle möchte ich mich im Namen von OceanCare ganz herzlich beim Schweizer Delegierten für diese beiden wichtigen Wortmeldungen bedanken!

Am Nachmittag stand vor allem noch ein wichtiger Punkt auf der Agenda der IWC. Dänemark hat im Namen von Grönland zum wiederholten Mal eine Quote zur Bejagung von Buckelwalen gefordert. Dies im Sinne von traditionellem Walfang, dem sogenannten “Aboriginal Subsitance Whaling”, eine spezielle Kategorie des Walfangs, welche unter der Aufsicht der IWC indigenen Staaten mit einer langen Tradition im Walfang erlaubt, eine klar definierte Anzahl von Walen für den Eigengebrauch zu töten. Die Verhandlungen zu diesem Antrag mussten jedoch aufgrund der Fortgeschrittenen Zeit auf Morgen verschoben werden. Es wird also nochmals spannend.

Zum Abschluss des Tages hatten auch die NGOs noch die Möglichkeit, während einer halben Stunde vor der Vollversammlung zu sprechen. Die heutige Sitzung dauerte bis nach 20:00. Daher ist zu befürchten, dass gewisse Kommissäre die sehr guten Reden (mindestens jene der NGOs, die gegen den Walfang sind) der ausgewählten Organisationen nicht mehr mit vollster Aufmerk-samkeit mitverfolgt haben.

Morgen ist also bereis wieder der letzte Tag der diesjährigen Konferenz der IWC. Durch den Antrag von Dänemark zur Bejagung von Buckelwalen ist nochmals für Spannung gesorgt. Ich hoffe, ich werde diese Entscheidung noch mitverfolgen können, obwohl ich bereits am Mittag abreisen muss. Denn die nächste Woche werde ich auf Walforschung sein (was ich übrigens jedem sehr empfehlen kann) und muss deshalb am Samstag schon wieder mit dem Zug von Zürich nach Südfrankreich. Wenn ich die Entscheidung noch miterleben kann, werde ich Euch natürlich über den Ausgang dieser Verhandlungen informieren.

Beste Grüsse

Euer Andreas Welti

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Ein Kommentar zu “Die Schweiz meldet sich zu Wort”

  1. Ingo sagt:

    Naja, immerhin…

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